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Dienstag, 17. November 2009

Zeit für ein Ende

Liebe Leser!

In diesem Blog stecken Texte, Gedanken und Gefühle aus den vergangenen dreieinhalb Jahren meines Lebens. Viel, viel trauriges, viele trübe Gedanken und Momentaufnahmen aus den schwärzesten Zeiten meines Lebens, als ich tief in der psychischen Störung steckte.

Es ist ein Zeitpunkt gekommen, wo ich diesen Ballast nicht mehr mitschleppen möchte. Ich werde weiter bloggen, weil es mir Spaß macht, doch ich möchte dafür einen Ort haben, an welchem nicht svV, Suizidalität und tiefe Depression nur wenige Mausclicks entfernt sind.

Deswegen werde ich hier nicht mehr schreiben. Es ist Zeit für einen Neuanfang.
Mein neues Domizil findet ihr unter http://nordnordwest.blogspot.com/. Einige alte Bekannte aus diesem Blog findet ihr auch dort, ich habe ein paar Texte und Beobachtungen mit dort hingenommen.

Ich würde mich freuen, euch auch dort zu lesen, und bedanke mich bei euch für die Unterstützung, die ihr mir in den letzten Jahren an diesem Ort hier zukommen ließet. Danke.

Donnerstag, 12. November 2009

Juhu!

Vielleicht versteht es niemand, der das nicht kennt - aber das Wissen, daß ich zum ersten Mal seit Unibeginn "freie" Semesterferien haben werde, ist schon schön. Und ein wenig erschreckend..

Freitag, 6. November 2009

Es geschehen noch...

... Zeichen und Wunder.

Aus einer generellen Abneigung gegen den Aufenthalt in einer ganz bestimmten Lokalität in der nächsten vorlesungsfreien Zeit wurde eh in den letzten Tagen eine deutliche Ambivalenz bezüglich der Einhaltung eines gewissen Versprechens.

Doch ganz selten kommt auch bei mir das gute alte Kismet zum Einsatz, und erledigt mich unangenehmer Entscheidungen - und diesmal auch noch in die richtige Richtung. Aufgrund einer ganz spezifischen Unmöglichkeit der Kombination werde ich dort nicht hin können, es wäre nicht produktiv. Und da es nicht meine Regel ist, die mir das verwehrt, wird da auch keine Possibilität der Änderung sein.

Ach, wie jammerschade.

Donnerstag, 5. November 2009

Sometimes

Manchmal...

...ist das Verlangen übergroß, wieder melancholische Texte zu schreiben.
...ist das Leben irgendwie zuviel, um es auszuhalten.
...ist die Sehnsucht nach Verletzungen wieder da, stark und drängend.
...ist der Drang, einfach aufzugeben, wieder präsent.
...ist die Hoffnung, gegen die "Störung" zu gewinnen, schwindend gering.

Ich darf nur nicht vergessen, daß all dies nur "manchmal" ist. Nicht immer. Es wird schon irgendwie besser werden.

Freitag, 30. Oktober 2009

Menschen bei Nacht

Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.

Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Rainer Maria Rilke, 25.11.1899, Berlin

Der übermächtige Impuls, sich zurückziehen. Stille. Einfach nur - Stille.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

55°41' N 10°43' E - Storebælt mit Kurs auf die große Beltbrücke

Sonne

Langsam, ganz sacht, lässt der Wind nach, welcher die "Albatros" nun über eine Stunde mit rasanter Fahrt vor sich her jagte. Erschöpft lassen sich die Deckshands auf eine Backskiste sinken, müde liegen Hände im Schoß. Nun sind die Segel wieder ganz gesetzt, der Klüverbaum knirscht zufrieden unter dem Zug des straff gefüllten Tuchs. Kleine Wellen, kaum spürbar, kichern flüsternd am Bug.
Ich streife die nasse Wollmütze vom Kopf und schüttele, wie ein Hund, die feuchten Haare, so daß Tropfen wild um mich spritzen. Mit leisem Quietschen springt die Rudergängerin davon, obwohl ihr Ölzeug sie gegen das Wasser schützen würde. Mein Lachen ist schon ein wenig erlöst, jetzt, da die Wolkenfront langsam davon zieht, wir nicht mehr auf der Hut vor plötzlichen, starken Böen sein müssen. Ein Nicken des Captains, gut gemacht, stell' die Maschine jetzt aus.
Kurz danach senkt sich die Stille über das Schiff. Nun ist das Plätschern der Wellen, das Ächzen des alten Holzes im Seegang plötzlich deutlich zu hören, das Quietschen des Leders der Klauen an den Masten, das Brausen des Windes in den Segeln. Ruhig, mit gleichmäßigen Bewegungen, bahnt sich die Albatros ihren Weg.
Als ich aus dem Maschinenraumschott wieder an Deck komme und mir nun das Ölzeug von den Beinen ziehe, trifft schon wieder, so kurz nach dem Regen, ein Sonnenstrahl mein Gesicht. Und mit einem Mal ist dieser Moment die ganze Welt.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

54° 21' 38.41" N 10° 36' 3.47" E Leuchtturm Neuland, Behrensdorf

Ein Stahl- und Stacheldrahtzaun durchschneidet den Strand, davor, auf der Düne, steht eine einsame Bank. Aus Nordwest dringen die Geräusche von Schüssen und Sprengungen herüber, gelbe Tonnen warnen im Wasser vor dem Truppenübungsgelände. Der Strand ist nicht touristenfein glattgefegt, Steine, Algen, natürliche Überreste des Lebens am Meer säumen den Weg. Tiefe Spuren hinterlassen meine Füße im Sand.
Über allem, vielleicht fünfzig Meter vom Wasser entfernt, tront der Neuländer Leuchtturm, ein sich drehendes Licht gen Norden, Richt- und Hoffnungsfeuer für Schiffe und Seemänner. Vor dem hellwolkigen Himmel wirkt er beinahe schwarz, nur der helle Fleck in seiner Krone ist deutlich zu erkennen. Versonnen bleibt mein Blick daran hängen. Egal, ob auf dem Wasser oder an Land - wenn Du ein Leuchtfeuer siehst, kennst Du den Weg. Ein tröstliches Zeichen in all der Einsamkeit auf den Wellen.

Montag, 5. Oktober 2009

54° 20' 40.71" N 10° 9' 20.89" E Faehranleger Bellevue, Kiel

Dunkelheit. Schimmernde Lichter als Spiegelungen auf dem Wasser, verwischte Schatten einmal quer über die Bucht. Leichter Wind aus Südost, ein Streicheln auf der Haut. Hinter Wolken beginnt mit grauem Licht der Mond aufzugehen, die Fähre nach Schweden zieht als grellleuchtender Koloss vorbei. Nordnordöstlich rote und grüne Funkelfeuer, der Leuchtturm grüßt von fern.
Nähe und Weite liegen eng beieinander, die Förde öffnet sich in die Welt, in welche der Dampfer entschwindet, hinaus aufs offene Meer. Einer Möwe gleich möchte man hinterherfliegen, und doch kann man für diesen Moment zufrieden sein, hier jetzt zu stehen.

Tränen der Sehnsucht und des Fernwehs in den Augen.

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