Mitternachtsgedanken
Grenzgänger. Die Diagnose im pathologischen Sinne mag ich noch immer nicht für mich akzeptieren, was mir auf Station vor allem von meinem Bezugspfleger viele bissige Sprüche einbringt. Eigentlich ist es da nahezu gleichgültig, was ich erwähne - sei es Perfektionismus, soziale Ängste, der svV-Druck, seine Gegenfrage ist eigentlich immer: "Könnte es wohl sein, daß das symptomatisch ist?!"
Es wird schon nahezu wieder zu einem running gag bei uns beiden - meine Antowrt hat auch schon Tradition. "Für den Fall, daß ich eine solche Störung hätte, wäre es wohl symptomatisch, aber da ich keine habe, ist es wohl anders zu deuten."
Nein, Grenzgängerin bin ich in anderen Dingen als den psychologisch-diagnostisch relevanten. Ich tanze zwischen verschiedenen Welten, und selten ist es so krass und auffallend wie im Moment. Kiel, das Studium, meine Kommilitonen, das Bach-Projekt. Ich steige aus dem Zug mit einer ganz anderen Körperhaltung, mit anderer Stimmung, mit anderen Gedanken. Ich hinterfrage nicht jede meiner Taten, ich frage mich nicht, ob ich Lust oder nicht auf Uni habe, sondern fahre los. Ich bin nicht so gelähmt. Gefühle? Keine sind hier existent. Meine Maske ist eisern, ich funktioniere, und bin dabei vollkommen gefühlsleer. Aber das ist okay. Ich habe, zumindest in der Uni selbst, keinerlei svV-Druck, es scheint so abwegig zu sein, das zu _wollen_.
Im Gegenzug der andere Teil, die Klinik, Osnabrück. Ich bin depressiv, antriebsarm, schaffe es dort nicht einmal, meine Tage zu füllen. Meine Gedanken kreisen eigentlich nonstop um svV, ich habe unbeschreiblichen Druck, muss so sehr kämpfen. Meine Anspannung ist eigentlich meistens über der kritischen Linie, meine Muskeln zittern in Dauerstreß, ich finde keinen Schlaf. Ängste, Traurigkeit, Selbsthass, alles ist wieder da - und als Belastendstes eigentlich, ist auch der Wille zum svV, wieder da - oder eben diese innere Resignation gegenüber den Problemen, gegenüber der Sucht.
Ich möchte aufgeben, sobald ich nicht in der Uni bin. Ich bin unendlich müde, habe Schlafmangel, der _krass_ ist, bin leicht depressiv, und mit meiner Kraft im Kampf gegen den Drang völlig am Ende. Vor und nach den Proben fühle ich mich unglaublich überfordert und ausgebrannt, ich konnte ja seit Wochen schon zeitlich nicht einen Tag ausschlafen, mal liegenbleiben. Meine Semester"ferien" investiere ich in die Klinik, meine Wochenenden (therapiefrei und zum ausruhen dort gedacht) investiere ich in die Uni. Und ich bleibe auf der Strecke.
Doch kaum, daß ich dort bin, auf dem Campus, in den Probenräumen, geht alles.
Für welche Seite entscheide ich mich? Allein jetzt schon wieder das Kämpfen gegen den furchtbaren Verletzungsdrang erschöpft mich, ich _will_ nicht mehr. Warum kämpfen, wo ich doch nichts besiegt habe? Warum aufgeben, wo ich doch _alles_ erreicht habe?
Ich weiß ja nicht einmal, ob ich dieses Wochenende in Kiel ohne neue Wunden durchstehen will, oder nicht. Die Chance nutzen?!
Ich hasse die Sucht, die in mir steckt. Ich habe so lang gebraucht, um mir selbst einzugestehen, daß ich süchtig bin - aber ich bin es. Und _das_ macht irgendwie wirklich keinen Spaß mehr.
Übrigens sagte mir mein Dozent vorhin vor der Probe noch, wie gut meine Klausur gelaufen sei - richtig gut gelöst, ach, was, besser wäre es nicht gegangen. Heißt, 90 - 100 %, eine 1. Immerhin eine Klausur (die wichtigste und schwerste), bei der ich meinen Anforderungen offenbar gerecht wurde.
Es wird schon nahezu wieder zu einem running gag bei uns beiden - meine Antowrt hat auch schon Tradition. "Für den Fall, daß ich eine solche Störung hätte, wäre es wohl symptomatisch, aber da ich keine habe, ist es wohl anders zu deuten."
Nein, Grenzgängerin bin ich in anderen Dingen als den psychologisch-diagnostisch relevanten. Ich tanze zwischen verschiedenen Welten, und selten ist es so krass und auffallend wie im Moment. Kiel, das Studium, meine Kommilitonen, das Bach-Projekt. Ich steige aus dem Zug mit einer ganz anderen Körperhaltung, mit anderer Stimmung, mit anderen Gedanken. Ich hinterfrage nicht jede meiner Taten, ich frage mich nicht, ob ich Lust oder nicht auf Uni habe, sondern fahre los. Ich bin nicht so gelähmt. Gefühle? Keine sind hier existent. Meine Maske ist eisern, ich funktioniere, und bin dabei vollkommen gefühlsleer. Aber das ist okay. Ich habe, zumindest in der Uni selbst, keinerlei svV-Druck, es scheint so abwegig zu sein, das zu _wollen_.
Im Gegenzug der andere Teil, die Klinik, Osnabrück. Ich bin depressiv, antriebsarm, schaffe es dort nicht einmal, meine Tage zu füllen. Meine Gedanken kreisen eigentlich nonstop um svV, ich habe unbeschreiblichen Druck, muss so sehr kämpfen. Meine Anspannung ist eigentlich meistens über der kritischen Linie, meine Muskeln zittern in Dauerstreß, ich finde keinen Schlaf. Ängste, Traurigkeit, Selbsthass, alles ist wieder da - und als Belastendstes eigentlich, ist auch der Wille zum svV, wieder da - oder eben diese innere Resignation gegenüber den Problemen, gegenüber der Sucht.
Ich möchte aufgeben, sobald ich nicht in der Uni bin. Ich bin unendlich müde, habe Schlafmangel, der _krass_ ist, bin leicht depressiv, und mit meiner Kraft im Kampf gegen den Drang völlig am Ende. Vor und nach den Proben fühle ich mich unglaublich überfordert und ausgebrannt, ich konnte ja seit Wochen schon zeitlich nicht einen Tag ausschlafen, mal liegenbleiben. Meine Semester"ferien" investiere ich in die Klinik, meine Wochenenden (therapiefrei und zum ausruhen dort gedacht) investiere ich in die Uni. Und ich bleibe auf der Strecke.
Doch kaum, daß ich dort bin, auf dem Campus, in den Probenräumen, geht alles.
Für welche Seite entscheide ich mich? Allein jetzt schon wieder das Kämpfen gegen den furchtbaren Verletzungsdrang erschöpft mich, ich _will_ nicht mehr. Warum kämpfen, wo ich doch nichts besiegt habe? Warum aufgeben, wo ich doch _alles_ erreicht habe?
Ich weiß ja nicht einmal, ob ich dieses Wochenende in Kiel ohne neue Wunden durchstehen will, oder nicht. Die Chance nutzen?!
Ich hasse die Sucht, die in mir steckt. Ich habe so lang gebraucht, um mir selbst einzugestehen, daß ich süchtig bin - aber ich bin es. Und _das_ macht irgendwie wirklich keinen Spaß mehr.
Übrigens sagte mir mein Dozent vorhin vor der Probe noch, wie gut meine Klausur gelaufen sei - richtig gut gelöst, ach, was, besser wäre es nicht gegangen. Heißt, 90 - 100 %, eine 1. Immerhin eine Klausur (die wichtigste und schwerste), bei der ich meinen Anforderungen offenbar gerecht wurde.
Mosyone - 6. Mrz, 23:58


