Kurzanalyse
Die viele freie Zeit hier ist wirklich eine Aufgabe für sich. Es ist ja nicht so, daß ich nicht genug zu tun hätte - meine Hausarbeit muss noch komplett geschrieben werden, und der Abgabetermin ist in zwei Wochen. Genug Menschen, die mich besuchen würden, die nur darauf warten, daß ich ihnen sage, wann ich Zeit habe. Ein großer Stapel Bücher auf meinem Regal, von Fachliteratur über anspruchsvolle Romane bis hin zu englischer und italienischer Unterhaltungsbelletristik. Ich könnte die Zeit sinnvoll nutzen.
Es ist mein eigener Kopf, der mich daran hindert, fürchte ich. Durch Internet, PC und Uni habe ich regelrecht verlernt, stunden-, tagelang zu lesen. Die Langeweile frisst mich auf, und dennoch bin ich nicht wirklich motiviert, es zu ändern.
Ein Gutteil daran ist wohl auch Frust über den Laden hier, über die Therapie. In den zwei Tagen in Kiel habe ich mehr gelesen als hier, obwohl ich weniger Zeit hatte, dort bin ich entspannter, kann mich viel besser konzentrieren.
Der Aufenthalt hier verkommt generell zunehmend zur Farce. Seit der Seebär im Urlaub ist, gibt es faktisch zwischen Pflege und mir keine ernsthafte Kommunikation mehr, der Austausch beschränkt sich auf Albernheiten, Frotzeleien und Organisatorisches. Therapeutisch-produktive Gespräche? Fehlanzeige. Seit gut zwei Wochen weiß hier niemand mehr, wie es mir geht.
Es ist nicht so, daß das ein neuer Zustand in diesem Intervall wäre. Nein, als eher stille Einzelkämpferin bin ich hier eigentlich schon immer größtenteils durch den Aufmerksamkeitsrost gefallen. Jedoch war in allen Intervallen zuvor die Selbstverletzung noch Thema, sodaß durch die Zahl der Verhaltensanalysen pro Woche das Team feststellen konnte, ob es mir gut oder schlecht geht. Drei VAs hintereinander? "T., komm' 'mal bitte her, wir müssen uns mal unterhalten."
Jetzt, so ohne extern messbare Symptomatik, ist offenbar die Fassade noch undurchschaubarer geworden.
Am Mittwoch, nach einem Streit mit meinem männlichen Erzeuger, sind bei mir in einem Maße die Sicherungen durchgebrannt, wie ich es selbst nicht mehr für möglich gehalten hätte. Es grenzt an ein Wunder, daß ich lebend und unverletzt und nüchtern es irgendwie geschafft habe, diesen Abend zu überstehen - wäre ich statt zu Fuß mit dem Rad in den Wald gefahren, hätte ich wohl mein Leben spontan beendet.
Mitbekommen hat das hier keiner, und mein Kommunikationsversuch am nächsten Morgen ("DJ, können wir nahher mal reden?") scheiterte an der Überlastung der Pflege, es kam nicht zum Gespräch. Ist es wichtig, daß die hier davon wissen?
Nun, ich habe es (wie auch immer) auch allein geschafft. Daraus stellt sich dann natürlich wieder einmal die Frage, was genau das hier bringen soll, wenn ich schlußendlich doch allein solche Situationen meistern muss (und kann).
Am besten sollte ich wohl nicht weiter darüber nachdenken.
Es ist mein eigener Kopf, der mich daran hindert, fürchte ich. Durch Internet, PC und Uni habe ich regelrecht verlernt, stunden-, tagelang zu lesen. Die Langeweile frisst mich auf, und dennoch bin ich nicht wirklich motiviert, es zu ändern.
Ein Gutteil daran ist wohl auch Frust über den Laden hier, über die Therapie. In den zwei Tagen in Kiel habe ich mehr gelesen als hier, obwohl ich weniger Zeit hatte, dort bin ich entspannter, kann mich viel besser konzentrieren.
Der Aufenthalt hier verkommt generell zunehmend zur Farce. Seit der Seebär im Urlaub ist, gibt es faktisch zwischen Pflege und mir keine ernsthafte Kommunikation mehr, der Austausch beschränkt sich auf Albernheiten, Frotzeleien und Organisatorisches. Therapeutisch-produktive Gespräche? Fehlanzeige. Seit gut zwei Wochen weiß hier niemand mehr, wie es mir geht.
Es ist nicht so, daß das ein neuer Zustand in diesem Intervall wäre. Nein, als eher stille Einzelkämpferin bin ich hier eigentlich schon immer größtenteils durch den Aufmerksamkeitsrost gefallen. Jedoch war in allen Intervallen zuvor die Selbstverletzung noch Thema, sodaß durch die Zahl der Verhaltensanalysen pro Woche das Team feststellen konnte, ob es mir gut oder schlecht geht. Drei VAs hintereinander? "T., komm' 'mal bitte her, wir müssen uns mal unterhalten."
Jetzt, so ohne extern messbare Symptomatik, ist offenbar die Fassade noch undurchschaubarer geworden.
Am Mittwoch, nach einem Streit mit meinem männlichen Erzeuger, sind bei mir in einem Maße die Sicherungen durchgebrannt, wie ich es selbst nicht mehr für möglich gehalten hätte. Es grenzt an ein Wunder, daß ich lebend und unverletzt und nüchtern es irgendwie geschafft habe, diesen Abend zu überstehen - wäre ich statt zu Fuß mit dem Rad in den Wald gefahren, hätte ich wohl mein Leben spontan beendet.
Mitbekommen hat das hier keiner, und mein Kommunikationsversuch am nächsten Morgen ("DJ, können wir nahher mal reden?") scheiterte an der Überlastung der Pflege, es kam nicht zum Gespräch. Ist es wichtig, daß die hier davon wissen?
Nun, ich habe es (wie auch immer) auch allein geschafft. Daraus stellt sich dann natürlich wieder einmal die Frage, was genau das hier bringen soll, wenn ich schlußendlich doch allein solche Situationen meistern muss (und kann).
Am besten sollte ich wohl nicht weiter darüber nachdenken.
mondstreif - 31. Aug, 09:56


