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Verwirrung.

Und Nietzsche weinte - dieses Buch habe ich in der Therapie hier gelesen, es hat mich sehr beeindruckt und beschäftigt. Psychoanalyse, das war ein Gebiet, was mir vollkommen fremd war, ich wusste nicht mehr darüber, als so das allgemeine (Nicht)Wissen - Penisneid, Übertragung, "Wie fühlen Sie sich dabei?".

Ich saß gestern meiner Therapeutin gegenüber, und sie weinte, während ich weiter lächelte.

Das Thema war nicht besonders, es ging nicht um Vergangenheit, Gefühle, ich hatte lediglich noch einmal meine Gründe gegen eine ambulante Therapie dargelegt - und ihr rann eine Träne über die Wange. Sie fühle eine starke Traurigkeit, erklärte sie, das habe sie in den Gesprächen mit mir schon häufiger gespürt. Vermutlich habe ich es dort nicht gesehen, da es bei diesen Themen für mich schwer war, sie anzublicken, doch gestern berührte mich selbst nichts, und so sah ich ihr Weinen.
Warum? Sie wisse es nicht genau, vermute aber, daß in den Mechanismen von Übertragung es meine unterdrückten Gefühle seien, die sie spüre.

Weiterhin teilte sie mir mit, daß sie ein weiteres Therapieintervall für sinnvoll halte, weil ich in einem Maße zu Arbeit an mir selbst befähigt sei, daß es schade wäre, wenn ich das Potential zur Veränderung und Verbesserung nicht weiter nutzen würde. Es wäre noch viel "zu holen". Sie wolle mit mir im nächsten Intervall, sofern ich stabil genug sei, an meine "blinden Flecken" gehen, die ich bislang in jeder Therapie aussparte.

Ich bin verwirrt, berührt und durcheinander. Traurigkeit? Doch weiter Therapie (wo ich so sicher war, diesen Ort hier nie wieder zu einem eigenen Aufenthalt betreten zu wollen)?

Die zahllosen positiven Rückmeldungen der letzten Tage tun gut - ich sei in einem Maße motiviert und fleißig, das kein anderer Patient hier im Moment so zeigen würde. Ich sei so nah an mir selbst, wie ich noch nie gewesen sei. Ich würde spürbar Emotionen zulassen und vorwärts kommen.

Dennoch ärgert es mich fast, daß soviele sinnvolle Argumente für dieses weitere Intervall sprechen, sodaß ich wohl nicht in der Lage sein werde, mir jetzt ein Ende sinnvoll zu begründen und es nicht als das wahrzunehmen, was es wäre - Vermeidung, Flucht.

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