_erzaehl-ungen_
Es war ein ganz normaler Spaziergang, durch den Park in die Stadt, um dort der einzigen nicht durch mehrere Filialen über ganz Deutschland verbreiteten Buchhandlung einen Besuch abzustatten, mir mein Lehrbuch zu besorgen und anschließend gemütlich allein den Weg zurück nehmen. Wir waren im Hellen losgegangen, doch es war schon deutlich dunkel, als ich allein meine üblichen versteckten Schleichwege heimwärts nahm. Ab und an begegnete ich Menschen, die starren Blickes gradeaus, zu irgendwelchen extrem wichtig wirkenden Tätigkeiten unterwegs waren.
Irgendwie scheint es mir immer so, als wären alle, die durch die Innenstadt eilen, von großer Hektik, Wichtigkeit und Zielstrebigkeit gehetzt - und ich unter ihnen die einzige, die ruhig schlendernd ohne Bestimmung unter ihnen auffällt. Manchmal ist diese Ruhe, die mich erfüllt und von ihnen trennt, weil sie durch Aufgaben bewegt sind und ich durch Leere gebremst, fast beängstigend - ich frage mich ratlos, was ich falsch mache, daß sie so offensichtlich immer wissen, was sie tun wollen, und ich nur Zeit totschlage...
Beim Überqueren der letzten großen Straße vor dem Heim meiner Eltern, was immer zu diesen Abendstunden sich als lebensgefährliches Unterfangen herausstellt, da die Autofahrer anscheinend ebenso nach Hause wollen wie ich, nur es etwas schneller und rücksichtsloser verfolgen als meine ziellose Wenigkeit, riss mich mehrfach das grelle Licht der gelblichen und weißen Scheinwerfer ihrer motorisierten Wagen aus meinem gedankenverlorenen Sinnen, erfüllte für einige Augenblicke vollkommen mein Gesicht und riß damit meine Mimik, meinen Ausdruck, gefühlt gar mein ganzes Selbst aus der schützenden Anonymität der Dunkelheit. Ich dagegen konnte gegen die strahlenden Lampen der Fahrzeuge nichts von deren Innenleben erkennen, sah keine Konturen, keine Personen, nur schrilles Licht, was mich und meine Erscheinung vor ihnen bloßstellte. Plötzlich kam für wenige Sekunden ein wenig Wahnsinn hoch, das Gefühl, verfolgt und beobachtet zu werden von Schatten, die sich selbst verbergen - bis mich die Realität in Form der anderen Straßenseite wieder hatte und ich im milden Glimmern der Laternen die letzten Meter bis zur Haustür zurücklegte.
Mosyone - 7. Feb, 18:49
Niemals
...gut genug
...stark genug
...aufmerksam genug
...altruistisch genug
...liebevoll genug
...bemüht genug
...strebsam genung
...fleißig genug
...
Niemals für die da, die mich bräuchten. Niemals in der Lage, mich selbst zurückzustellen. Niemals all dem positiven entsprechend, wie mich andere sehen.
Niemals wertvoll. Niemals wert, zu leben. Niemals liebenswert. Niemals anderen würdig.
Immer zu hassen. Warum?
Mosyone - 2. Aug, 15:43
Nachts liegt eine tiefe Stille über der Stadt. Die kalte Luft, welche die Müdigkeit mit kleinen Nadelstichen im Gesicht vertreibt, weht mir fast schmerzhaft über Nase und Wangen. Über mir, am Himmel, vertreibt der noch immer helle Abglanz der Stadt die kleinen Lichtpunkte einzelner Sterne und lässt sie für die Augen im tiefen Samt verschwimmen. Zeitlosigkeit.
Der Lichtkegel meiner Lampe brennt Löcher in die Schwärze vor mir. Ich kenne den Weg, eigentlich, und doch erfasst mich ein leiser Schauer, als ich die nächste Bank vor mir nicht erkennen kann. Ob dort jemand sitzt? Es ist leichtsinnig, nachts durch unbeleuchtete Parks zu kommen, auch hier in Braunschweig. Ich sehe kaum den Weg vor meinem Rad, und die Schatten der Bäume und Sträucher malen abstruse Bilder neben mir auf das nachtgraue Gras. Die Luft schmeckt weich auf der Zunge, nach Erde und Gras.
Heute ist es anders. Gestern sah ich andere Menschen, anonymisiert durch die späte Uhrzeit, gleichzeitig entfernt und doch so nah. An diesem Abend jedoch bin es scheinbar nur ich, die noch unterwegs ist, und die sich entfernenden Lichtkegel eines Autos auf der anderen Seite des Flußes sind die einzigen Lebenszeichen, die durch den Wind zu mir getragen werden. Einsamkeit im Anblick der Unendlichkeit eines Himmels, tiefes Schweigen über erlöschenden Lichtern. und dennoch schaffe ich es nicht, die rasenden Gedanken zu sortieren.
Ich habe die Entschuldigung bekommen, ja, und sie mehr als nur einmal gelesen. Es hat das, was ich versucht habe die letzten Tage zu verdrängen, wieder aufgerissen, aber auf eine heilsamere Art - und es ist klar, daß ich diese Entschuldigung annehme. Wäre eine nötig gewesen? Ich weiß es nicht. Es war okay so, wie es war. Ein paar Schmerzen bleiben, aber auch das ist in Ordnung. Gibt es überhaupt ein Leben ohne ein paar Wunden auf der Seele, die immer leicht schmerzen werden? Ich kenne es nicht.. Träume, die sich in Luft und Schaum auflösen, schmerzen immer leicht. Und man lernt, nicht mehr so leicht zu träumen...
Vielleicht muss es eben manchmal die Quittung dafür geben, wenn man allzu sehr auf sandigem Boden seine Luftschlösser baut. Die Flut reißt vieles ein, und das ist gut so - eine Prüfung für jedes Vorhaben, und vor allem eine Warnung. Und manchmal auch eine bittere Lehre, die aber wohl nötig ist.
Morgen dann mein nächster Nachtspaziergang, dann aber endlich mal wieder sicherlich zu Fuß. Mal sehen, wie viele Nachtgedanken und Beschreibungen ich hier noch reinhaue, wie immer ohne Sinn und Verstand ;o) Aber besser beobachten und sich wenigstens bei Nacht anonym hinaustrauen als nur einmauern. Auch wenn es nur ein ganz kleines Fenster mit meist fest zugezogenen Gardinen ist - doch ich kann auf das Leben sehen, wann immer ich mag.
Mosyone - 6. Mai, 01:30
Seltsame Situationen, wenn man nachts mit seinem Fahrrad müde vom vergangenen Tag vom Bahnhof heimfährt... Diffuse Lichtspiele von Lampen, Signalen und Lichtern, die mit dem Dunkel auf Fensterscheiben und spiegelnden Metallwänden wetteifern, teilweise Schmieren und Schemen von Farbe in einer nachtschwarzen Welt. Vieles ahnt man mehr, als daß man es sieht..
Die Menschen, denen man begegnet, tragen um sich herum einen Hauch von Geheimnis - was treibt diesen alten, ehrwürdigen Herrn im grauen Sommermantel um diese späte Uhrzeit noch auf die Straße? Wohin wird der Weg diese zwei jungen, noch kindlichen Mädchen führen, deren Gesichter ihr Alter hinter Farbe und Schein zu verbergen suchen? Was ist geschehen, daß sich jene zwei Männer so lautstark über die ganze Straße hinweg, mit nur einer Ampel zwischen sich, streiten?
Begegnungen werden zu Anekdoten, Momente und Augenblicke zu Geschichten und Fragen. Die Zeit dehnt sich aus, kriecht mit Anmut und unergründlicher Unregelmäßigkeit über Asphalt und Stein, und schluckt jedes Wesen, das in ihrem Reich der Umarmung Morpheus' trotzt. Und doch bringt die Irrealität dieser Nacht Zweifel mit sich, ob das, was ich vermeinte zu sehen, auch wahr ist...
Zwei Jugendliche, aneinander geschmiegt am Mauerrand eines breiten Fußgängerwegs, ihre beiden Räder über dessen gesamte Breite hingeworfen. Sie hat die Augen geschlossen, scheint zu schlafen, er lächelt mich an, zwinkert mir zu und winkt sogar. In Sekunden bin ich an ihnen vorüber, und schon zwei Atemzüge später frage mich, ob ich es wirklich sah. Ein heftiger Streit, Drohungen, von hinten bereits das stille Blaulicht einer herannahenden Streife, und nur ein paar Meter weiter ein in stiller Liebe versunkenes Paar, das von der Welt um sich herum nichts mitbekommt, dessen Wahrnehmung nur auf den anderen beschränkt ist. Wie passen diese krassen Gegensätze zueinander? Ist es wahr, was ich sah?
Ich fühle mich wie ein Eindringling in einer Welt, die nicht meine ist. Als stiller und verwunderter Beobachter sehe ich ihnen zu, doch schaffe ich es nie, mich zugehörig zu fühlen. Nicht nachts, nicht tags. Nicht in der Freude, nicht in der Trauer.
Die Nacht heute macht mich melancholisch und nachdenklich, und die neuen Geschehnisse und Informationen tun es auch. Entschuldigt diesen Beitrag - er ist wirr und ohne Sinn..
Mosyone - 5. Mai, 00:58
Wenn sich langsam die Dunkelheit über alles legt - draußen vor dem Fenster, der kleine Garten - unten ist alles schon schwarz, die Äste der Apfelbäume dagegen sind noch deutlich grün, der Himmel von einem hellen graublau.
Mein Blick geht einfach nur aus dem Fenster, beobachtet, ohne zu werten, sieht, ohne wahrzunehmen.
Jetzt raus, einfach ein wenig durch die Dämmerung gehen, gemeinsam auf die Dunkelheit warten, Lichtspiele -
doch ich bin allein...
Sehnsucht und Melancholie ist eine gefährliche Mischung; viel zu schnell wird daraus Einsamkeit und Schmerz..
Mosyone - 13. Jun, 21:50