_thera-pie_

Freitag, 6. November 2009

Es geschehen noch...

... Zeichen und Wunder.

Aus einer generellen Abneigung gegen den Aufenthalt in einer ganz bestimmten Lokalität in der nächsten vorlesungsfreien Zeit wurde eh in den letzten Tagen eine deutliche Ambivalenz bezüglich der Einhaltung eines gewissen Versprechens.

Doch ganz selten kommt auch bei mir das gute alte Kismet zum Einsatz, und erledigt mich unangenehmer Entscheidungen - und diesmal auch noch in die richtige Richtung. Aufgrund einer ganz spezifischen Unmöglichkeit der Kombination werde ich dort nicht hin können, es wäre nicht produktiv. Und da es nicht meine Regel ist, die mir das verwehrt, wird da auch keine Possibilität der Änderung sein.

Ach, wie jammerschade.

Freitag, 11. September 2009

...

Verwirrung.

Und Nietzsche weinte - dieses Buch habe ich in der Therapie hier gelesen, es hat mich sehr beeindruckt und beschäftigt. Psychoanalyse, das war ein Gebiet, was mir vollkommen fremd war, ich wusste nicht mehr darüber, als so das allgemeine (Nicht)Wissen - Penisneid, Übertragung, "Wie fühlen Sie sich dabei?".

Ich saß gestern meiner Therapeutin gegenüber, und sie weinte, während ich weiter lächelte.

Das Thema war nicht besonders, es ging nicht um Vergangenheit, Gefühle, ich hatte lediglich noch einmal meine Gründe gegen eine ambulante Therapie dargelegt - und ihr rann eine Träne über die Wange. Sie fühle eine starke Traurigkeit, erklärte sie, das habe sie in den Gesprächen mit mir schon häufiger gespürt. Vermutlich habe ich es dort nicht gesehen, da es bei diesen Themen für mich schwer war, sie anzublicken, doch gestern berührte mich selbst nichts, und so sah ich ihr Weinen.
Warum? Sie wisse es nicht genau, vermute aber, daß in den Mechanismen von Übertragung es meine unterdrückten Gefühle seien, die sie spüre.

Weiterhin teilte sie mir mit, daß sie ein weiteres Therapieintervall für sinnvoll halte, weil ich in einem Maße zu Arbeit an mir selbst befähigt sei, daß es schade wäre, wenn ich das Potential zur Veränderung und Verbesserung nicht weiter nutzen würde. Es wäre noch viel "zu holen". Sie wolle mit mir im nächsten Intervall, sofern ich stabil genug sei, an meine "blinden Flecken" gehen, die ich bislang in jeder Therapie aussparte.

Ich bin verwirrt, berührt und durcheinander. Traurigkeit? Doch weiter Therapie (wo ich so sicher war, diesen Ort hier nie wieder zu einem eigenen Aufenthalt betreten zu wollen)?

Die zahllosen positiven Rückmeldungen der letzten Tage tun gut - ich sei in einem Maße motiviert und fleißig, das kein anderer Patient hier im Moment so zeigen würde. Ich sei so nah an mir selbst, wie ich noch nie gewesen sei. Ich würde spürbar Emotionen zulassen und vorwärts kommen.

Dennoch ärgert es mich fast, daß soviele sinnvolle Argumente für dieses weitere Intervall sprechen, sodaß ich wohl nicht in der Lage sein werde, mir jetzt ein Ende sinnvoll zu begründen und es nicht als das wahrzunehmen, was es wäre - Vermeidung, Flucht.

Montag, 31. August 2009

Kurzanalyse

Die viele freie Zeit hier ist wirklich eine Aufgabe für sich. Es ist ja nicht so, daß ich nicht genug zu tun hätte - meine Hausarbeit muss noch komplett geschrieben werden, und der Abgabetermin ist in zwei Wochen. Genug Menschen, die mich besuchen würden, die nur darauf warten, daß ich ihnen sage, wann ich Zeit habe. Ein großer Stapel Bücher auf meinem Regal, von Fachliteratur über anspruchsvolle Romane bis hin zu englischer und italienischer Unterhaltungsbelletristik. Ich könnte die Zeit sinnvoll nutzen.

Es ist mein eigener Kopf, der mich daran hindert, fürchte ich. Durch Internet, PC und Uni habe ich regelrecht verlernt, stunden-, tagelang zu lesen. Die Langeweile frisst mich auf, und dennoch bin ich nicht wirklich motiviert, es zu ändern.
Ein Gutteil daran ist wohl auch Frust über den Laden hier, über die Therapie. In den zwei Tagen in Kiel habe ich mehr gelesen als hier, obwohl ich weniger Zeit hatte, dort bin ich entspannter, kann mich viel besser konzentrieren.

Der Aufenthalt hier verkommt generell zunehmend zur Farce. Seit der Seebär im Urlaub ist, gibt es faktisch zwischen Pflege und mir keine ernsthafte Kommunikation mehr, der Austausch beschränkt sich auf Albernheiten, Frotzeleien und Organisatorisches. Therapeutisch-produktive Gespräche? Fehlanzeige. Seit gut zwei Wochen weiß hier niemand mehr, wie es mir geht.
Es ist nicht so, daß das ein neuer Zustand in diesem Intervall wäre. Nein, als eher stille Einzelkämpferin bin ich hier eigentlich schon immer größtenteils durch den Aufmerksamkeitsrost gefallen. Jedoch war in allen Intervallen zuvor die Selbstverletzung noch Thema, sodaß durch die Zahl der Verhaltensanalysen pro Woche das Team feststellen konnte, ob es mir gut oder schlecht geht. Drei VAs hintereinander? "T., komm' 'mal bitte her, wir müssen uns mal unterhalten."
Jetzt, so ohne extern messbare Symptomatik, ist offenbar die Fassade noch undurchschaubarer geworden.

Am Mittwoch, nach einem Streit mit meinem männlichen Erzeuger, sind bei mir in einem Maße die Sicherungen durchgebrannt, wie ich es selbst nicht mehr für möglich gehalten hätte. Es grenzt an ein Wunder, daß ich lebend und unverletzt und nüchtern es irgendwie geschafft habe, diesen Abend zu überstehen - wäre ich statt zu Fuß mit dem Rad in den Wald gefahren, hätte ich wohl mein Leben spontan beendet.
Mitbekommen hat das hier keiner, und mein Kommunikationsversuch am nächsten Morgen ("DJ, können wir nahher mal reden?") scheiterte an der Überlastung der Pflege, es kam nicht zum Gespräch. Ist es wichtig, daß die hier davon wissen?
Nun, ich habe es (wie auch immer) auch allein geschafft. Daraus stellt sich dann natürlich wieder einmal die Frage, was genau das hier bringen soll, wenn ich schlußendlich doch allein solche Situationen meistern muss (und kann).
Am besten sollte ich wohl nicht weiter darüber nachdenken.

Montag, 24. August 2009

...

Es gibt so Tage, an denen man schon aufwacht mit dem Gefühl, ein kleines verwundetes Tier zu sein. Hilfslos, verletzlich und angreifbar..
Es ist für mich so neu, in diesem Maße an meiner Oberfläche angekratzt zu werden, wenngleich es gut ist, um einmal plump zu bewerten. Ich habe gestern Abend auf meinem Bett sitzen können und weinen, zumindest eine Träne, bis meine Selbstkontrolle merkte, was ich da tat, und der innere Zensor für überflüssigen Gefühlsblödsinn eingreifen konnte. Ich - _fühle_. Und stelle fest, daß ich zwar theoretisch eine Menge über den richtigen und sinnvollen Umgang mit Emotionen weiß, aber praktisch etwas ratlos vor meinem eigenen Erleben stehe und verwundert überhaupt erstmal _spüre_.

Die Gedanken, die von den Einzelgesprächen angestoßen werden, machen mich auch, für meine Verhältnisse, in hohem Maße anfällig und schutzlos. Meine Schutzmauer ist sehr dünn in diesen Tagen, angegriffen von all den Erinnerungen, die ich selbst langsam Fetzen für Fetzen zu sichten und emotional zu interpretieren beginne. Ich drehe Runde um Runde durch den nahen Wald und den Park, fahre stundenlang Fahrrad, um mich meiner Freiheit und Selbstkontrolle zu vergewissern. Musizieren, obwohl ich das auf Station normalerweise vermeide, man ist ja nie schallgeschützt allein, um mit den ungewohnten Gefühlsregungen umzugehen.

Der Impuls, die Therapie dennoch abzubrechen, ist jedoch hoch. Meine alten Dämonen, das svV, hat hohe Verlockung (doch es geht nicht, es würde nicht heilen vor dem nächsten Törn...), und außerdem ist das allein sein in einer fremden Stadt nicht grade förderlich. Über meinen Schatten zu springen und von allein um ein Gespräch mit Pflege / Therapeut zu bitten, schaffe ich nicht, noch immer nicht, und so ist es Normalzustand, daß ich eigentlich nur einmal die Woche wirklich rede, im terminierten geplanten Einzelgespräch. Ansonsten findet kein Austausch statt, und das ist ein Fakt, der mich frustriert und die Überlegungen bzgl des Abbruchs nährt. Was soll ich hier, wenn ich doch nicht reden kann?

Alles Torheit hier. Irrsinn.

Freitag, 14. August 2009

Aufarbeiten.

Wut.

Wie konnten sie das tun? War das alles wirklich gerechtfertigt? Warum haben sie nicht einmal versucht, vernünftig mit mir zu reden?
Sie haben mich eingesperrt, sie haben mich bestraft, sie haben mich unter Drogen gesetzt, sie haben mich ruhig gestellt. Sie haben mir Freiheit, Selbstbestimmung, Eigenverantwortung genommen. Sie haben mir Vernunft und Realität abgesprochen.
Sie haben versucht, mir ihren Willen, ihre Sicht der Dinge aufzudrängen. Wie ich mich, meine Symptome, meine Realität sah, war immer nur falsch.
Sie haben mir so viel genommen, noch neben der Freiheit für immerhin 7 Monate - Selbstvertrauen, mein Gefühlsleben, meine Sicherheit, und sie lehrten mich Angst, unendliche Angst, und Gehorsam wider die eigenen Überzeugungen. Sie brachten mir bei, was Ausgeliefertsein bedeutet.

Traurigkeit, Trauer.

Ein Teil von mir zerbrach damals. Ich bin eine andere, ich habe mich verändert. Diese selbstvergessene Seite - nicht bei jeder Handlung, jedem Wort über mögliche Konsequenzen nachgrübeln. Nicht jedes fremde Wort auf die Goldwaage legen.
Nähe ertragen können, ohne sofort den Kontrollverlust zu fürchten, Schwäche eingestehen, ohne Furcht haben zu müssen, dafür bestraft und entmündigt zu werden. Meiner eigenen Intuition vertrauen.
Vieles von dem Kind T. ist damals dort geblieben, hat diese Monate nicht überlebt.
Und ich fühle Trauer um den Menschen, der ich einmal war. Ich bedauere das Leid, was das Kind dort aushalten musste, ich trauere um jede Wunde, die sich dieser Mensch zufügen musste.
Kein Selbstmitleid, nein - nur stilles Bedauern, daß das alles offenbar nötig war..

Dienstag, 4. August 2009

Therapiebausteine

Alte Schwierigkeiten..

Es ist noch immer ein furchtbar seltsames Gefühl, von jemandem so gut gekannt zu werden, daß er mir auf den Kopf zusagen kann, wie meine Stimmung ist und mit hoher Trefferquote auch den Grund dafür. Heute ergab das dann ein Gespräch, was ich so schon lange nicht mehr geführt habe. Gefühle - die Anstrengung, sie zuzulassen, sie auszuhalten.

Er merkte (und sagte es mir), wie schwierig es noch immer für mich ist, anderen das zu zeigen, darüber zu sprechen, _Hilfe einzufordern_. Es war seltsam, ihm gegenüber zu sitzen, und ihn nicht ansehen zu können, weil ich mich so wegen meiner eigenen Unfähigkeit schämte.
Aufgabe? "Schreib' S. vom svV-Druck, den Suizidgedanken, Deiner Stimmung." Und in mir wallte Panik hoch.
Er schickte mich schreiben, ich brauchte kaltes Wasser über dem Kopf, um allein den PC hochzufahren, aber schlußendlich bekam ich es hin. Danach gab es dann noch eine Runde durch den Sinnesgarten, ich war vollkommen fertig. Aber ich habe es geschafft - und S.'s Antwort war so lieb und fürsorglich, daß mir beinahe schon wieder die Tränen kamen.

Wirkungsvolle, aber sehr anstrengende Therapie...

Samstag, 25. Juli 2009

Ebbe und Flut

"Ebbe und Flut" - als Meerverrückte und Seglerin aus Leidenschaft fand ich diesen Titel ganz passend. Auch wenn ich mittlerweile eigentlich psychisch stabil und beinahe unverwüstlich bin, gibt es doch, dem Gezeitenwechsel gleich, bei mir immer noch mal bessere und mal schlechtere Phasen. Passt also.

Tja, und nun? Klinik, mal wieder. Es ist irrsinnig seltsam, wieder hier zu sein. Passenderweise, wie um den Kreis zu schließen, bin ich wieder in dem Zimmer, in dem ich auf dieser Station vor anderthalb Jahren die Therapie begann, sogar im exakt gleichen Bett. Und noch trifft mich hier alles mit ziemlich harter Wucht - die Gerüche des Krankenhauses, der erzwungene externe Kontrollverlust (Himmel, ich lebe allein, ich regel' mein Leben selbst - und muss, von einem Tag auf den nächsten, mich abmelden, um Erlaubnis bitten, am Wochenende Mahlzeiten zu versäumen, muss mir alles mögliche per Unterschrift bestätigen lassen, ...). Es ist unangenehm und störend, und ich hasse die Unselbstständigkeit, die einem hier sofort aufgezwungen wird. Abend- und Stationsrunde sind eine Qual, wenn die Mitpatienten depressiv so unendlich kleine Dinge angeben und ihrem Leid trotz eigentlich gewollter Fokussierung auf das Positive hier zwischen den Worten Ausdruck verleihen. Ich fühle mich so falsch, fehl am Platz.
Dann hat mein Bezugspfleger, den ich sehr schätze und der der Beste ist, den ich hätte bekommen können (ich habe schon mehrere Intervalle mit ihm intensivst gearbeitet) mir ernsthaft in diesem Intervall Kurzkontakte verordnet, eine Spezialität dieser Station, die ich abgrundtief hasse - einmal täglich zur Pflege gehen und dort einen Kurzbericht über Stimmung, Anspannung und Laune geben. Bei mir gerät das aus Selbstschutz und mangelnder Vertrauensfähigkeit oftmals zur Farce, denn mit dem Zeigen und Eingestehen von Schwäche habe ich große Probleme - klar, das ist der Sinn des Ganzen.
Es wird wirklich hart dieses Mal - erst, wegen der frisch erkannten Sonderdingsbumseritis (ich hasse das eigentliche Wort für den Fluch der Intelligenz...), habe ich um eine neue Diagnostikphase geben, da das BPS in meinen Augen nicht allein treffend ist, und dann Arbeit am Umgang mit Gefühlen, Ängsten und Abbau der (angeblich) überhöhten Selbstansprüche und des Perfektionismus (den ich nicht habe, m.M.n.). Es wird hart, aber das habe ich ja auch gewollt. Und trotzdem - daß ich jetzt erstmal ein "Arbeitsverbot" an meiner Unihausarbeit habe und "zur Ruhe kommen" soll, stößt mir hart auf. Ich hasse diese viele freie Zeit, das Nichtstun und "entspannen". Gnaaa!

Mittwoch, 8. April 2009

Und weiter?

"T., ich hab gehört, Du willst mir heute wieder etwas schenken?" - Ich lache. "H., ich geh morgen, da ist das doch jetzt egal, oder?".
Er hält Schritt, bleibt an meiner Seite, dann schüttelt er den Kopf. "Du gehst nicht." - "Wie, nicht?" Noch nehme ich das als Scherz. "Das ist mir neu." Er jedoch bleibt ernst. "Nein, Du gehst morgen nicht. Du setzt das nächste Semester aus, und bleibst. Ein Vierteljahr Therapie erstmal, zwei bis dreimal in der Woche Gespräche mit mir, und Deine Fassade wird immer weniger, glaub mir. Und dann akzeptierst Du irgendwann auch, daß Du eine Störung hast."
Eine tiefe Müdigkeit überkommt mich.. "Und mein Studium?"


Das nachfolgende kurze Gespräch im Gruppenraum, in welchem ich eigentlich nur still für mich das Protokoll der letzten PE-Gruppe abschreiben wollte, bleibt haften. Und wieder einmal weiß ich nicht mehr, was ich tun soll, welcher Weg der _richtige_ wäre. Meistens kann ich das ja wenigstens noch erkennen - der "neue Weg" führt definitiv nicht über svV und Alkohol. Aber diesmal? Welcher ist der alte, welcher der neue, wenn ich die Wahl treffen muss, ob ich mein Studium fortsetze oder hier bleibe?
Es wäre ja nicht nur ein halbes Jahr - ich müsste ein ganzes pausieren, die Kurse aus dem Wintersemester bauen größtenteils auf denen des Sommers auf. Hs Kommentar dazu war nur ein "Das ist ja noch viel besser!"
Und ich habe nicht einmal lang Zeit, um zu überlegen.

Nachtrag ein paar Denkstunden später:
"Richtige" und "falsche" Wege existieren nicht - das wäre eine Bewertung, und die ist ja nicht produktiv. ^.^ Ich gehe, wie geplant, und vertraue auf mein Bauchgefühl, wenn die Stimmung nicht grad wieder kippt: irgendwie habe ich das noch immer wieder hinbekommen. Warum nicht jetzt auch? Vielleicht anfangs nicht gut, vielleicht nur mit viel Kampf und Anstrengung und Energie, aber ich werde schon voran kommen. Auf welchem Weg auch immer. ^.^

Dienstag, 31. März 2009

Bezugspflege

Er legt den Kopf ein wenig schief, sieht mich mit diesem undurchdringlichen Lächeln an. Seltsam, es gibt nicht viele Menschen, die ich so wenig durchschauen kann wie ihn.
"T., wie ist Deine Außenwirkung? Was, glaubst Du, denken andere über Dich, wenn sie Dich so beispielsweise in der Uni treffen?"
Ich bin ein wenig verwirrt - wenn ich das mal sicher wüsste, wäre vieles einfacher. "Keine Ahnung. Ich hoffe, sie denken, ich habe meistens gute Laune." Er nickt. "Was meinst Du, welche Farbe würden andere Deinem Leben geben?" - Ich muss kaum überlegen. "Ich glaube, primär helle Farben."
Erneut nickt er, lächelt. "Ja, die meisten Menschen, die Dich so sehen und treffen und Dich nicht ganz kennen, halten Dich für den fröhlichsten Menschen der Welt." Kurz muss auch ich schmunzeln - schließlich ist das ja auch mein Ziel. Doch er fährt fort. "Doch diejenigen, die Dich wirklich kennen und viel genauer hinsehen, halten Dich für den traurigsten Menschen der Welt."

"Das ist aber definitiv übertrieben!", entfährt mir - und er schüttelt den Kopf. "Nein, T., ist es nicht."


Das ist Unfug, das bin ich nicht. Doch irgendwie irritiert mich dieser Gesprächsausschnitt noch immer. Kann das sein, daß mich wirklich jemand so wahrnimmt?! Das ist abstrus, ich _bin_ so nicht!

Samstag, 19. Juli 2008

Rückblick - Ausblick

Wieder einmal ein Stapel erinnerungsträchtiger Dinge, genauer gesagt - Geschenke. Viereinhalb Monate WG-Leben mit immer ungefähr zwanzig anderen weiblichen Wesen schaffen Freundschaften, Lieben, Sympathien, aber auch Abneigungen, Misstrauen, Streit. Ich hatte all die Monate jedoch deutliches Glück, da die negativen Seiten dieser erzwungenen Nähe für mich mit Ausnahme einiger Tage ganz am Anfang nur zu beobachten waren, und sich nicht gegen mich wandten. Zickenterror gab es zuhauf, doch ich stand immer neutral daneben.

Jetzt liegen hier kleine Briefe, Karten, Zeichnungen vor mir, die mir im Laufe dieses Therapieintervalls, eigentlich immer zur Aufmunterung und Versicherung der gegenseitigen Wertschätzung, überreicht wurden - liebe Worte, Komplimente, Angebote von Freundschaft und Beziehung. Adressen, Telefon- und Handynummern. Bezeugungen der Bereitschaft, "immer füreinander dazusein". Mindestens drei Menschen, die ich kennenlernte, darf ich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen, so steht es hier geschrieben.

Ist es gemein, wenn ich trotzdem weiß, wie wenig ich entgegen der Bekundigungen hier vermißt werde? Natürlich, die ersten Stunden fehlt ein Mensch auf der Station, der vorher d a war, mit dem man reden konnte. Vielleicht fehle ich in meinem Zimmer noch ein wenig länger, so lang, bis das weiße leere Bett wieder neu belegt ist, solange die Neue dann dort noch fremd und unvertraut ist. Alle anderen haben mich bereits heute früh vergessen.
Gut, es wird noch einige wenige Gruppen und Situationen geben, in welchen die Entlassene durch Gewöhnung fehlt - Imagination, die PE-Gruppe, Reittherapie, wahrscheinlich auch beim obligatorischen Dr. House-Termin. Beim Frühstück klingelt niemand mehr zu seinem Tablett, und das leise Glöckchenschellen klirrt nicht zur Abendrunde, und doch, ich glaube nicht, daß dort heute noch jemand an mich denkt.

Es ist wider Erwarten dennoch keine Bitterkeit in mir, wenn ich daran denke. Ich war ja nicht anders - in einer Therapie denkt man eben primär an sich selbst, und andere müßen zu bloßen Rahmenhandlungen und austauschbaren Nebenschauplätzen werden. Und wer weiß - man sieht sich auf dieser Station eh im Laufe der nächsten Jahre irgendwann wieder...

Habe ich schon erwähnt, daß ich wirklich froh bin, "draußen" zu sein? Ganz ohne Scherz, sehr ernst - irgendwie ist es trotz des Vermissens meiner Zimmernachbarn, die so viel Spaß und Unterhaltung brachten, schön, daheim zu sein. Ein Neustart ins Leben, quasi. (=

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