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_ueber-dacht_

Donnerstag, 5. November 2009

Sometimes

Manchmal...

...ist das Verlangen übergroß, wieder melancholische Texte zu schreiben.
...ist das Leben irgendwie zuviel, um es auszuhalten.
...ist die Sehnsucht nach Verletzungen wieder da, stark und drängend.
...ist der Drang, einfach aufzugeben, wieder präsent.
...ist die Hoffnung, gegen die "Störung" zu gewinnen, schwindend gering.

Ich darf nur nicht vergessen, daß all dies nur "manchmal" ist. Nicht immer. Es wird schon irgendwie besser werden.

Freitag, 12. Juni 2009

Tja..

... drei Jahre lang Therapie, Fachärzte, Psychologen, Spezialisten, davon über 12 Monate stationär.
Eine kleine Statistik:

11 unterschiedliche Therapeuten, davon 5 Psychiater, 6 psych. Psychotherapeuten, 10 stationär, 1 ambulant.
8 unterschiedliche Bezugspfleger.
6 verschiedene Stationen.
3 unterschiedliche Kliniken.
6 verschiedene Diagnostikprozesse.
14 Monate stationäre Therapie.
4 Monate ambulante Therapie.

Und immer - zwei Diagnosen, teilweise noch mit 3 Komorbiditäten, die extra erwähnt wurden.

Doch das Hauptproblem haben sie alle, aber ich auch, übersehen, und das führte dann zu:
4 Therapieabbrüchen, 1 disziplinären Entlassung, 6 Suizidversuchen, über tausend Narben, 1 (Therapie)Traumatisierung.
1 1/2 verschenkte Jahre.

Eine Zahl, die alles ändert, weil sie andere Kausalketten, Begründungen, Möglichkeiten schafft. Eine Zahl, die erklärt, warum ich in Lutter so litt, warum all diese Therapien nicht funktionierten, warum man mir so oft nicht helfen konnte. Die mein Denken, mein Fühlen, meine Handlungen plötzlich erklärbar macht.

Schon faszinierend.

Montag, 1. Juni 2009

.

T., kann man von Borderline Urlaub machen?!

Vielleicht. Kann man Urlaub von sich selbst nehmen? Ich hätte es nie zuvor für möglich gehalten, doch diese acht Tage bewiesen das Gegenteil. Es ist möglich, eine Auszeit zu bekommen - von mir, von der Uni, der Arbeit, sogar von meinen Gedanken.

Umso härter ist es, wieder in das alte zurückzukehren, das sich so gar nicht geändert hat - ich bin anders, doch wie ich das bewahren und umsetzen soll, das weiß ich nicht.

Als wären nicht 8 Tage, sondern Wochen, Monate, ein Jahr vergangen.

Montag, 18. Mai 2009

Wochenende in der (alten) Heimat

Faszinierend. Faktisch waren es sagenhafte anderthalb Tage, in welchen sich eigentlich aus dem Nichts (und von einer ganz und gar unerwarteten Richtung) ein theoretisches Gedankengebäude ergab, welches - sollte es verifizierbar sein - sowohl einen Großteil meiner Diagnosen als auch einen noch größeren Teil meines Selbstbildes vollkommen verändert.

Mit einer einzigen neuen Grundannahme fügten sich hunderte kleiner Mosaikstückchen zu einem sehr eigentümlichen und (vielleicht - noch) sehr fremden Bild zusammen, was jedoch deutlich schlüssiger in sich ist als jenes Bild, was ich nun seit drei Jahren laut Ärzten und Therapeuten akzeptieren und "endlich annehmen" soll, "um Besserung möglich zu machen". Sollte sich diese Theorie bestätigen, hat mich meine Weigerung, die BPS als passend wahrzunehmen, geschützt - und ich bin seit drei Jahren falsch diagnostiziert und therapiert worden.

Dennoch erfüllt mich seit dieser Entdeckung eine eigentümliche Freude - sollte es stimmen, bin ich _nicht verrückt_. Und das macht mich sehr, sehr glücklich. Auf meine Art.

Mittwoch, 6. Mai 2009

sentimenti

calpestare i sentimenti di qualcuno

Möchte jemand?!
Ich stelle grade immer wieder neu fest, wie praktisch es doch wäre, gänzlich auf jegliche Gemütsregungen verzichten zu können. Unnützes Zeug, diese emozione.
Vor allem, wenn man mit ihnen kein bisschen umgehen kann. Man? Okay, ich berichtige mich, ich kann es nicht. Und es stört mich, täglich, stündlich. Vollkommen egal, was da kommt - per me è uguale, ob positiv oder negativ, per me è uguale, ob Angst, Freude, Glück - ich komme mit keinem davon zurecht. Es verunsichert mich, die Emotionen geraten durcheinander, mettono in disordine, und schlußendlich geht es mir doch nur wieder schlecht. Selbst delizia kann ich nicht mehr genießen - Sonne auf dem Gesicht, die Förde neben mir, eigentlich ungetrübte Vorfreude und den Genuß einiger geraubter Momente vom Alltagsstreß, und doch ist immer dieser schale Beigeschmack, ein sospetto d'infausto beigemischt.

E sopratutto regna la volontà infrangere a me.

Man verzeihe mir den Sprachmischmasch, per cortesia. (-;

Dienstag, 14. April 2009

The same procedure..

..as every semester.

Aus einem werden zwei, aus zwei drei, und danach - ists auch egal. Ich trinke es ja nur, weil es schmeckt, nicht wahr?
Heute startete dann auch wirklich die Uni, ab morgen gehen meine Veranstaltungen los. Eine Kommilitonin, die grad Examen macht, sah meinen Stundenplan und sagte, ich würde zuviel machen. Aber jede Stunde, die ich in oder für die Uni verwende, kann ich nicht über anderes nachdenken. Ist das ein so dummer Plan?!

Donnerstag, 22. Januar 2009

Heimfahrt

Es ist schon dunkel, als ich endlich das Gebäude verlasse und mich auf mein geduldiges Reittier schwinge, welches all die Stunden geduldig im Freien auf mich wartete. Die Gangschaltung ist zu knapp drei Vierteln defekt, weswegen die Anfahrt sich immer etwas schwierig gestaltet, doch ich habe dieses Mal rasch Fahrt aufgenommen und treibe den Drahtesel den gewundenen Weg empor, der den unteren Teil der Uni (Linguistik, Historik, Theologie, Bio und die UB) mit dem Hauptteil auf dem Berg (auf dem Fahrrad fühlt es sich wie einer an!) verbindet. Dieser reine Fuß- und Radweg führt hinter den Sportstätten entlang, steigt dann etwa fünzig Meter steil an und führt über einen Autobahnzubringer hinter dem Stundentendorf mitten in den Campus.
Ich kämpfe mich, irgendwie gut gelaunt, die Steigung hinauf und rolle dann langsam über den vielen Scheinwerfern. Vor mir liegt eine Stadt aus Lichtern, die scheinbar haltlos mitten im Dunkel schweben, ein ganzes Wohnviertel, was keine Wohnungen beherbergt, sondern Menschen wie mich, die dort lernen, arbeiten, forschen.

Es kommt so plötzlich, daß es mich regelrecht überrascht - wie eine Welle trifft es mich von der Seite, schlägt über meinem Kopf zusammen. Mittlerweile ist es nicht mehr so fremd wie noch vor einigen Monaten, nicht mehr so unvorstellbar wie vor einem Jahr - und doch bringt es mich noch immer ein wenig aus der Fassung. Ich habe den Drang, laut zu rufen, es hinauszubrüllen, und doch schweige ich lieber, und lasse es mich ganz erfüllen - dieses plötzliche Glücksgefühl, mächtig und seltsam. Mein Bauch wird innerlich warm, und ich strahle plötzlich, die Gedanken, die in meinem Kopf wie Fanfaren klingen, sind einfach zu schön. Ich bin glücklich. Ich lebe - und bin darüber mit einem Mal so froh, so stolz, daß ich wirklich kurzfristig darüber nachdenke, ob ich nicht den unter mir vorbeirasenden Wagen zurufen sollte, was für ein Wunder es ist, daß i c h lebe, daß mir das Leben gefällt - wie wundervoll l e b e n sein kann.

Als aus dem Dunkel am Fuß der schmalen Brücke andere Studenten auftauchen, rolle ich weiter, noch immer breit lächelnd. Die kalte Luft auf meinen Wangen fühlt sich so real an, meine unbedeckten Hände kribbeln und schmerzen im Fahrtwind, und doch genieße ich dieses Gefühl, weil es mir zeigt, daß ich da bin, daß ich fühle. Ich bin.

Kurzfristig wundere ich mich darüber, daß ich es bin, die so selbstverständlich über diesen Campus fährt, mit einem Blick prüft, ob in meinem zweiten, mir lieberen Institut noch Licht brennt, und dann so automatisch schon den Weg nach Hause einschlage. Bis heute ist es manchmal unverständlich, daß ich das geschafft habe, hierher zu kommen und bis jetzt zu bestehen - so viel ist besiegt. Die Einsamkeit, viele Ängste, die Krankheit?!
Mein Rad läuft weiter, und ich zügle es nicht. Im Dunkeln, entlang des Parkes, an dem mein Weg langgeht, wirken die Lichter der mir entgegenkommenden Radler wie Laternen, und kurz verliere ich mich in Gedanken. Ich habe soviel nachzuholen. Manchmal scheint es mir, als wäre ich die vergangenen drei Jahre größtenteils gefangen gewesen - in dem grauen, dunklen Kerker meines eigenen kranken Denkens. Wie farbig, wie bunt, wie schön die Welt sein kann!

Leider ist es wie immer - noch halte ich diese Überlegungen, diese Freude nur schwer aus. Ich muss mich dann wieder in das alte flüchten, muss dem aus Prinzip quasi ein paar düstere Sätze entgegenstellen, meine Ängste beruhigen. 'Nein, keine Sorge, das war nur ein Ausreißer, ich weiß noch nicht, ob ich wirklich leben will, ich teste nur. Nein, keine Angst, ich gebe dich nicht auf, Melancholie. Ich kann immer zurück, ein paar Schnitte, zuviele Tabletten, dann bin ich wieder auf sicherem Boden, dort, wo ich mich auskenne.' Und doch weiß ich, daß es langsam, Stück für Stück, anders wird. Besser. Und wer weiß, vielleicht kann ich eines Tages ganz zu der Freude stehen. Noch machen mir solche Lebensfreude Angst, es ist so gefährlich ungewohnt. Noch kann die ängstliche T. ihre alten Überlebensstrategien nicht ganz loslassen, obwohl ich sie nicht mehr verwende. Nur die Möglichkeit zu haben....

Die Wärme im Bauch ist geblieben, und indem ich das alles aufschreibe, halte ich den Moment fest - und die guten Gedanken.

Samstag, 6. Dezember 2008

Ich möchte...

...ihnen noch einmal gegenübersitzen. Sie ansehen, und sehen, ob sie meinen Blick erwiedern können. Ihnen in die Augen sehen, wenn sie mich vor sich haben.
Ich möchte ihnen Fragen stellen. Ihre Sicht mit meiner abgleichen, ihre Erzählungen mit meinen Erinnerungen. Ob sie mir erklären können, wie sie es damals sahen?

Die Lügen in dem Abschlußbericht, die offensichtlichen Falschaussagen. "Regelmäßig VAs, ein permanenter Kampf gegen die Therapie." Ich bin sicher, daß ich in H.7 nur eine VA schreiben musste, zwei Tage - davor. Sonntag Abend, Dr. S. hat noch draufgesehen, weil die Nachtschwester nicht wusste, ob es nicht genäht werden musste. Ich wusste, daß er Dienst hat, ich habe kalkuliert - manipuliert? Egal, es war definitiv nur eine. Wie können sie dann in etwas so wichtigem wie dem Abschlußbericht lügen?
Ich würde all das gerne fragen, doch ist das irgendwie noch Nebensache. Was mich viel mehr interessiert, an mir bohrt, ist die Frage, wie sie in ihrer anschließenden Teamarbeit, in der Supervision mit dem umgingen, was passiert ist. Haben sie die Fehler nur bei mir gesucht? Oder haben sie auch sich selbst reflektiert? Haben sie eine Erklärung, was dort so phänomenal schief gelaufen ist, oder haben sie ihre Lügen zu einem Erklärungsmodell zusammengesetzt, was sie entlastet?
Dr. S., Dr. G., Schw. K. - einem von ihnen würde ich gern Fragen stellen. Und Dr. J., der die Lügen unterschrieb und bestätigte.

Manchmal ist es, als hätte ich dort vor etwas mehr als zwei Jahren ein Stück von mir verloren, quasi meinen Schatten. Etwas von mir ist all die Zeit dort geblieben, verharrte dort, als ich gehen durfte. Ob dieser Teil auf der 19, auf der Geschlossenen oder auf H. 7 auf mich wartet, weiß ich nicht. Doch ich weiß, daß ich mit diesem Kapitel noch immer nicht abschließen kann, bis ich dieses Stück meines Selbst nicht zurückhabe. Wie eine offene Wunde zerrt es an mir.
Immer wieder gehe ich dorthin, besuche ehemalige Mitpatienten, gehe durch die Flure, sehe hinüber zu H. 7, ertrage den Schmerz, die Panik, die Hilflosigkeit, die mich dort überflutet, um - mich - zu finden. Und jedes Mal fahre ich zurück, und spüre die Leere. Mein Schatten steht hinter geschlossenen Türen, starrt wie ich damals aus Fenstern in die winterliche Dunkelheit, und ruft mich.
Wer über Weihnachten in einer Klinik sein muss, ist so krank, daß er auf keinen Fall entlassen werden kann. Ich kenne diese Einsamkeit, die furchtbare Stille in der heiligen Nacht fern von daheim. Und auch dieses Jahr wird wieder ein Stück von mir woanders sein.

Ich möchte mit ihnen, mit einem von ihnen sprechen, weil ich verstehen will, was damals passierte. Ich weiß, daß ich mich auf meine Sicht nicht verlassen kann, ich war damals schwer krank, daher möchte ich ihre hören, um endlich Antworten zu finden. Mich zu finden.
Ansonsten wird der Stachel in mir stecken bleiben, oder ich werde immer wieder mit dem Gedanken zu kämpfen haben, daß ich dort noch einmal hin muss. Nicht als Besucher.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

...

Es ist krass, wie schmerzhaft jeder Gedanke an den kleinen, roten Gesellen ist, der zehn Jahre meines Lebens bevölkerte, mich abschleckte, anbettelte, so oft freiwillig (und unfreiwillig) geduldet mit mir kuschelte, der mich tröstete, aufheiterte, zum Lachen und auf andere Gedanken brachte, mir Lebenssinn, Glück, in seinem Schnurren Zufriedenheit und Gemütlichkeit gab und - den ich so lieben konnte, wie ich niemanden sonst liebte. Ehrlich, rückhaltslos, bedingungslos.

Er fehlt. Wann immer ich das Haus betrete, warte ich still, ich sehe noch immer zu seinen Plätzen, ich lausche nach ihm, ich hoffe, daß er kommt. Und doch wird er es nie wieder tun.

Nie zuvor konnte ich verstehen, daß Menschen um ihre Haustiere trauern, als wären es Menschen gewesen. Verzeiht meine Rücksichtslosigkeit - ich musste den Verlust wohl erst selbst erleben, bis ich verstand...
Er schlief in meinen Armen ein, und für ihn war es gut.

Morgen geht es zurück nach Kiel. Nächste Woche startet dann auch für mich die Uni. Ich ziehe mich jetzt erstmal noch mehr zurück, als ich es eh schon tat, ich werde hier auch erstmal nicht mehr schreiben. Lebt wohl, ihr alle, paßt auf euch auf.

Samstag, 20. September 2008

_~*~_

Egal wie tief du schneidest, der Schmerz sitzt tiefer.

Nur solang ich lebe, kann es besser werden, nur solang ich lebe, kann ich kämpfen. Es wird immer einen nächsten Tag geben, an dem es wieder aufwärts geht - und für diesen Tag lohnt es sich, auszuhalten.

Immer nur für heute. Das morgen, das gestern ist egal - wenn die Kraft nicht für mehrere Stunden reicht, dann kämpfe zumindest in dieser. Jetzt ist der Moment, in dem du kämpfen musst. Ignorier das Morgen, das Nachher.

Es war schon besser, es wird wieder besser werden. Gib nicht auf. Nur wer die Nacht überlebt, kann den Sonnenaufgang sehen, denn auch die längste, tiefste Nacht geht vorbei.

Egal, was du tust, du wirst den Schmerz in deinem Innern nicht stillen können - nicht mit Alkohol, nicht mit Essen, nicht mit Hunger, und auch nicht mit Blut. Du kannst nur kämpfen, dem Schmerz keinen weiteren hinzuzufügen, und du kannst darum kämpfen, daß du das Morgen erlebst. Irgendwann geht es nicht mehr tiefer, nicht schlimmer.

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