_ver-rueckt_
Endlich.
Es wird kaum jemand verstehen, es wird kaum jemand nachvollziehen können. Eigentlich klingt es nicht neu, nicht viel anders, nicht besser.
Doch für mich ist es ein großer Fortschritt.
Die Diagnose "emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ" wird nicht mehr auf meinem Entlassungsbrief stehen. Sie trifft nicht (mehr?) zu. Kein "Diagnose: F60.31" mehr.
(Okay, "F61" ist nicht viel besser, aber es ist kein Borderline!!!)
mondstreif - 31. Aug, 13:58
freidrehen.
Einer dieser Tage, an denen nichts geht. Ich fliehe, vor den anderen, vor mir, bin destruktiv, zynisch, bitter. Der svV- und Adios-liebes-Leben-Wunsch ist hart an der Grenze, manchmal auch darüber.
Kraftlos, denn das Kämpfen kostet Kraft.
Ich fürchte mich vor morgen, dem nächsten Einzel, vor der Stille, der vielen Zeit. Unfähig, mich zu rühren, die Hilflosigkeit zuzugeben, gefangen hinter der stupiden lächelnden Puppe.
Hach, im "mir selbst alles schwer machen" war ich schon lange nicht mehr so gut wie grade.
mondstreif - 11. Aug, 19:05
"Es ist nicht jetzt, T.! Warum fällt es Dir so schwer, hinter Lutter einen Schlußstrich zu setzen?" - "Ich dachte doch, ich hätte es... Ich glaubte fest, daß ich es hinter mir gelassen hätte.." - "Nein, nicht wirklich. Noch immer zuckst Du bei jeder Nennung des Ortes zusammen, egal in welchem Zusammenhang."
Es ist wirklich ungeahnt schwer, daß hinter mir zu lassen. War nicht genau _das_ das Thema, was ich im letzten, im zweiten Intervall Anfang dieses Jahres aufarbeiten wollte? Dachte ich nicht danach, ich hätte es hinter mir gelassen?
Mein Kopf weiß, daß ich nicht mehr dort bin, nicht mehr dort hingelangen werde, daß es vergangen ist und nie wieder Wirklichkeit wird. Im Kopf weiß ich, daß mir hier nicht passieren kann, was dort passierte, mein Verstand ist orientiert und logisch. Ich habe alle meine Freiheiten, niemand will und wird mich wieder einsperren. Ich muss nichts nehmen, was ich nicht will. Niemand will mich zu etwas zwingen. Mein Wille zählt.
Warum ist es so schwer, dies alles auch meinen Gefühlen, meinem Unterbewusstsein klarzumachen? Diese irrsinnige Angst, Schwäche, Verletzlichkeit, Traurigkeit zuzulassen, und erst recht zu zeigen, diese Furcht, um Hilfe zu bitten, all die Gedanken und Blockaden - es ist so schwer, dagegen anzulaufen.
Ich will doch einfach nur weinen können.
Doch egal, welche Situation, egal, wie sehr ich dem Menschen vertraue, der mir gegenüber sitzt (sofern ich vertrauen kann... so viele Verrate, so viel gebrochenes Vertrauen!), ich will nur fliehen, unterdrücke Tränen, Emotionen. Stark sein. Lächeln. Alles andere wird doch bestraft, kann mich auf die Geschlossene bringen...
Die Nacht war furchtbar. Ich hatte Alpträume, habe im Schlaf gestöhnt, gejammert. Und das alles nur, weil ich gestern im Einzel über Lutter sprach..
mondstreif - 6. Aug, 19:29
Das Herz stirbt einen langsamen Tod, wirft Hoffnung auf Hoffnung ab wie welkes Laub, bis eines Tages keine mehr übrig ist.
Keine Hoffnung. Nichts bleibt.
Sie bemalt ihr Gesicht, um ihr Gesicht zu verstecken, ihre Augen sind tiefes Wasser.
Einer Geisha steht es nicht an zu wünschen, einer Geisha steht es nicht an zu empfinden. Eine Geisha ist eine Künstlerin der fließenden Welt. Sie tanzt, sie singt, sie unterhält dich, was auch immer du willst.
Der Rest liegt im Schatten. Der Rest ist geheim.
Durch die Erkältung zur Ruhe gezwungen, doch - die Ruhe schadet mir mehr, als sie meinem Körper hilft.
Als würde ich innerlich zerspringen, ohne mich selbst halten zu können. Keine Argumente mehr dagegen.
Dabei wünsche ich mir so, endlich "normal" zu sein, ich schäme mich so für jeden neuerlichen Rückschlag. Einfach nur so sein, wie jeder andere - ohne Gedanken, Gefühle, Handlungen, die so dumm und unverständlich sind.
Warum schaffe ich es nicht..?
mondstreif - 1. Mai, 20:07
Mein Schatten ist noch nicht wieder bei mir.
Ich freue mich auf morgen, auf die Uni. Alles, wirklich alles ist besser als diese Stille um mich herum, nein, als diese Stille in mir. Das ist das eigentlich schwierige - die Mauer, die ich im letzten dreiviertel Jahr um mich selbst, um meine Gefühle und um diesen destruktiven Teil in mir errichtet habe, hat Löcher bekommen. Schlußendlich hat die ganze Therapie in O. nur darauf abgezielt: daß meine Fassade bröckelt und bricht, daß ich Gefühle wahrnehme und zeige, daß ich mich selbst überhaupt wieder fühle. Nach sieben Wochen gab es da dann die ersten "Erfolgserlebnisse", doch meine Zeit war um. Und jetzt sitze ich oben in Kiel und spüre vor allem diese Löcher in meinem wunderbaren "Alles-ist-so-toll"-Gehabe. Aber mir fehlen die Methoden, angemessen damit umzugehen..
Die Sehnsucht nach einer Landkarte in meiner Haut ist mal wieder übergroß - vor allem, nachdem ich darüber eh auf Station wieder einmal die Kontrolle verlor. Warum kämpfen..?
Weil aufgeben der einfachere Weg ist, und weil hinter der Resignation _nichts_ mehr ist, ich weiß. Außerdem kenne ich mich - dazu habe ich dann doch zuviel Kraft, als daß ich eine Niederlage länger als einige Stunden, ein Tag, ertragen könnte, und doch wieder neu kämpfe. Dennoch wünsche ich mir manchmal, es doch zu können - aufzugeben.
Ich denke wieder einmal Unsinn. Moin, Depression, kommst Du mal wieder zu Besuch? Das ist schon in Ordnung, ich weiß, daß Du irgendwann auch wieder gehst, keine Krise währt ewig, auch diese nicht. Und wenn morgen wieder Uni ist, werde ich mit den alten Mitteln die entstandenen Löcher schon wieder flicken - nicht gut, aber haltbar für den Moment.
Verdammt, ich wäre so gern einfach gesund. Warum muss diese verfluchte Störung immer wieder auftauchen, auch wenn ich sie gar nicht haben will?! Sich Zeit geben, Geduld haben.... das ist unendlich schwer, wenn man doch einfach nur _leben_ will.
mondstreif - 13. Apr, 10:52
Faszinierend. Mich hielt schon lange niemand mehr für so instabil, daß einfach mal zwischendurch Pflegekräfte vorbeischauten, um "Dir mal in die Augen zu sehen". Wäre es nicht so tragikkomisch, würde ich beinahe darüber lachen.
Obwohl - eigentlich lache ich da trotzdem drüber - es lebe der Galgenhumor!
mondstreif - 3. Apr, 12:03
Grenzgänger. Die Diagnose im pathologischen Sinne mag ich noch immer nicht für mich akzeptieren, was mir auf Station vor allem von meinem Bezugspfleger viele bissige Sprüche einbringt. Eigentlich ist es da nahezu gleichgültig, was ich erwähne - sei es Perfektionismus, soziale Ängste, der svV-Druck, seine Gegenfrage ist eigentlich immer: "Könnte es wohl sein, daß das symptomatisch ist?!"
Es wird schon nahezu wieder zu einem running gag bei uns beiden - meine Antowrt hat auch schon Tradition. "Für den Fall, daß ich eine solche Störung hätte, wäre es wohl symptomatisch, aber da ich keine habe, ist es wohl anders zu deuten."
Nein, Grenzgängerin bin ich in anderen Dingen als den psychologisch-diagnostisch relevanten. Ich tanze zwischen verschiedenen Welten, und selten ist es so krass und auffallend wie im Moment. Kiel, das Studium, meine Kommilitonen, das Bach-Projekt. Ich steige aus dem Zug mit einer ganz anderen Körperhaltung, mit anderer Stimmung, mit anderen Gedanken. Ich hinterfrage nicht jede meiner Taten, ich frage mich nicht, ob ich Lust oder nicht auf Uni habe, sondern fahre los. Ich bin nicht so gelähmt. Gefühle? Keine sind hier existent. Meine Maske ist eisern, ich funktioniere, und bin dabei vollkommen gefühlsleer. Aber das ist okay. Ich habe, zumindest in der Uni selbst, keinerlei svV-Druck, es scheint so abwegig zu sein, das zu _wollen_.
Im Gegenzug der andere Teil, die Klinik, Osnabrück. Ich bin depressiv, antriebsarm, schaffe es dort nicht einmal, meine Tage zu füllen. Meine Gedanken kreisen eigentlich nonstop um svV, ich habe unbeschreiblichen Druck, muss so sehr kämpfen. Meine Anspannung ist eigentlich meistens über der kritischen Linie, meine Muskeln zittern in Dauerstreß, ich finde keinen Schlaf. Ängste, Traurigkeit, Selbsthass, alles ist wieder da - und als Belastendstes eigentlich, ist auch der Wille zum svV, wieder da - oder eben diese innere Resignation gegenüber den Problemen, gegenüber der Sucht.
Ich möchte aufgeben, sobald ich nicht in der Uni bin. Ich bin unendlich müde, habe Schlafmangel, der _krass_ ist, bin leicht depressiv, und mit meiner Kraft im Kampf gegen den Drang völlig am Ende. Vor und nach den Proben fühle ich mich unglaublich überfordert und ausgebrannt, ich konnte ja seit Wochen schon zeitlich nicht einen Tag ausschlafen, mal liegenbleiben. Meine Semester"ferien" investiere ich in die Klinik, meine Wochenenden (therapiefrei und zum ausruhen dort gedacht) investiere ich in die Uni. Und ich bleibe auf der Strecke.
Doch kaum, daß ich dort bin, auf dem Campus, in den Probenräumen, geht alles.
Für welche Seite entscheide ich mich? Allein jetzt schon wieder das Kämpfen gegen den furchtbaren Verletzungsdrang erschöpft mich, ich _will_ nicht mehr. Warum kämpfen, wo ich doch nichts besiegt habe? Warum aufgeben, wo ich doch _alles_ erreicht habe?
Ich weiß ja nicht einmal, ob ich dieses Wochenende in Kiel ohne neue Wunden durchstehen will, oder nicht. Die Chance nutzen?!
Ich hasse die Sucht, die in mir steckt. Ich habe so lang gebraucht, um mir selbst einzugestehen, daß ich süchtig bin - aber ich bin es. Und _das_ macht irgendwie wirklich keinen Spaß mehr.
Übrigens sagte mir mein Dozent vorhin vor der Probe noch, wie gut meine Klausur gelaufen sei - richtig gut gelöst, ach, was, besser wäre es nicht gegangen. Heißt, 90 - 100 %, eine 1. Immerhin eine Klausur (die wichtigste und schwerste), bei der ich meinen Anforderungen offenbar gerecht wurde.
Mosyone - 6. Mrz, 23:58
Ich fliehe meine Tagebücher, meinen Blog, das Forum. Solang es nicht schwarz auf weiß irgendwo steht, kann ich mir vielleicht noch einreden, daß es nicht so ist. Daß ich nicht schon wieder _dicht dran_ bin. Nein. Also schreibe ich nicht. Denn ohne Schriftlichkeit ist es nur eine vorübergehende Laune. Oder nicht?
mondstreif - 23. Feb, 09:12
Die Sehnsucht ist wieder da. Die Gedanken, die tanzen - zu anderen Themen, zur Uni, und doch immer wieder dorthin zurückkehren. Die Überlegung, daß es doch 'mal wieder' schön wäre.
Gedankenloses Streicheln über meine Unterarme. Schon wieder ist mein Kopf auf alten Wegen, grübelt spielerisch über den Ort nach. Mühsam zwinge ich ihn davon weg, und doch - mit Widerhaken setzte sie sich fest - die Überlegung 'es ist an der Zeit'.
Imaginär gehe ich meinen Terminkalender durch - nein, morgen ist Sport, wenn es dort aufbricht, ich wollte eine weiße Jacken tragen. Doch auch dies ließe sich verhindern, flüstert die Versuchung ganz hinten, tief. Sie lockt, spottet, reizt mich. 'Du kannst es doch gar nicht mehr, gibs zu, du bist weich mit dir geworden, du vergibst dir viel zu viel.'
Ich werde langsam unruhig. Ja, es stimmt, ich laße mir so viel durchgehen, bin nachlässig, kehre auf alte Wege zurück. Habe mich nicht mehr so unter Kontrolle, wie ich es - grausam - einmal hatte.
'Wenn du es verlierst, dann wirst du es irgendwann furchtbar bereuen... nur einmal... einmal, und du hast wieder Sicherheit'...
Meine Nervosität steigt. Nein, zwinge ich mich, geh ins Bett, doch weiß meine Vernunft, daß ich so nicht schlafen kann. Nein, sage ich mir, und doch legen meine Hände alles bereit.
Ich stehe auf, gehe weg, versuche es zumindest. Eine Runde durch die Wohnung, in der Küche ein Glas Wasser, nervöses Lachen. 'Du bist irre, du bist irre, was tust du hier?' - 'Nur einmal, es ist Zeit...'
Ich beginne mit meinen Ringen zu spielen, an meinen Fingernägeln zu kauen. Die Versuchung lockt, schreit in meinen Ohren. 'Zu lange, zu lange, warum wartest du?'
Und noch immer lügt mein Kopf, daß ich nie süchtig war.
mondstreif - 1. Dez, 23:47
26 Tage... Na und? Wayne... Ist doch eh egal. Wozu stark sein, wo es doch eh schnuppe ist. Wozu kämpfen, wo doch so ein tiefer Schnitt so viel löst...
Ich hab die Heile-Welt-Fassade der letzten Wochen so satt.
mondstreif - 8. Sep, 20:01